Hirankl Horankl

Hirankl-Horankl
1943 – Es ist mitten im 2. Weltkrieg – Ein junger Bader und Volksliedsänger in Bergen, der sich weit über den Chiemgau hinaus schon einen Namen gemacht hatte durch seine umfassende Volksmusikarbeit, durch Singstunden und Rundfunkauftritte, sucht und findet einen Verlag, in dem er sein erstes eigenständiges Liederbuch veröffentlichen kann. Die "Gebr. Richters Verlagsanstalt" in Erfurt, in der er schon 1938 zusammen mit Karl List und Walter Schmidkunz das umfangreiche "Leibhaftige Liederbuch" herausgebracht hat, ist bereit, das viel schmälere "Hirankl-Horankl" von Wastl Fanderl (1915-1991) als buntes, querformatiges Büchlein mit immerhin 120 Seiten herauszugeben. "Liadl vom Alpenland gesammelt von Wastl Fanderl" lautet der Untertitel. Der Inhalt sind zum einen "Wiegengsangl, Kinderversl, Bauernratsel", die der junge Mann "im Laufe von ungefähr 7 Jahren" in vielen Gegenden von Oberbayern vor allem bei (jungen) Frauen zusammentragen konnte. Zum anderen sind es "viele lustige Liadl für Dirndl und Buam vom Alpenland", die er aus anderen Sammlungen übernimmt, so wie sie "sich bei uns zu Lande eingesungen haben, d.h. die allbereits schon Gemeingut wurden". Das Büchlein ist also auch ein gewisses Zeit-Dokument der neuen, Anfang der 1930er Jahre mit Initiative von Kiem Pauli (1882-1960) im südlichen Oberbayern begonnenen Volksliedpflege! Und über seine ausgewählten Lieder schreibt Fanderl im Vorwort: "Ich habe sie getreu nach der üblich gewordenen Singart, zumeist in der charakteristischen Dreistimmigkeit ihres niederösterreichischen Urbildes niedergeschrieben." 1943 – Es ist kein Hakenkreuz zu sehen und kein "Heil Hitler", kein "Deutscher Gruß" und im Vorwort keine aufdringlich-völkische Formel. Wer Fanderl kannte, versteht die Widmung am Schluss des Vorworts: "… zur Freude aller, deren Herz der Heimat gehört." – Und sein Vorwort beginnt er ganz aus seiner Lebensaufgabe (Durchführung von Singwochen ab 1936) heraus: "Die Freude am Singen ist in der alpenländischen Jugend in den letzten Jahren stetig gewachsen, zum großen Teil weil das in der Lebensart und in der Lebenslust der Buam und Dirndl heute liegt, aber doch auch dank der neuerstandenen bäuerlichen Singwochen, in denen sich jeweils eine Schar von Burschen und Mädeln zusammenfindet, um heimisches Liedgut zu pflegen oder es sogar lebendig zu erneuern." Dieses Zeitdokument, das uns heute auch viel Freude machen kann, werden wir neu in der von Fanderl gewählten ursprünglichen Form wiederveröffentlichen. Derzeit sind wir mit großer Unterstützung vieler oberbayerischer Gemeindearchive und Einwohnermeldeämter dabei, mit viel zeitintensiver Kleinarbeit einige von Fanderls Gewährspersonen, z.B. seine "Vorsagerinnen" der Kindersprüche näher zu beschreiben. Zudem haben wir Liedvergleiche (z.B. im Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg) angestellt, die mit vielen weiteren Angaben eine auszugsweise Kommentierung und zeitliche und personelle Verortung dieses wunderbaren Liederbuches von Wastl Fanderl ermöglichen.
Das Buch ist für € 19,50 erhältlich über den Verein für Volkslied und Volksmusik e.V. - www.volkslied-volksmusik.de

